stützmauern

Stützmauern

2016

Wenn man sich für die Beziehung von Ingenieurbauten mit landschaftlichen und kulturellen Werten interessiert, bilden Stützmauern einen wichtigen Teil dieses Themas. Im Gegensatz zu Brücken und Tunnel sind Stützmauern eine Art Mauerblümchen der Ingenieurbauten, über die man wenig spricht. Trotzdem sind sie prominente Erscheinungen in der Landschaft, kilometerlange Begleiter der Verkehrswege. Gerade die Anonymität ihrer Schöpfer lässt sie zu Merkzeichen des jeweiligen Standes der allgemeinen Baukultur werden. In Stützmauern lassen sich durchaus zeittypische stilistische Merkmale erkennen; die bevorzugten architektonischen Stilrichtungen einer Epoche finden in ihnen ihren Niederschlag. So sind die Mauern, die Karl Emanuel Müller zu Beginn des 19.Jahrhunderts für die Axen- und Gotthardstrasse baute, mit ihren präzis geformten Konturen, ihrer glatten Oberfläche, den schmalen Abdeckplatten und den halbmondförmigen Entwässerungsöffnungen vom klassizistischen Ideal der Aufklärungszeit und ihrem Hang zu geometrischen Formen geprägt. Die Nationale Romantik der Jahrhundertwende mit ihrer Lust an bäuerlich-derben Bauformen zeigt sich in den vorstehenden Bossen der roh vermauerten Bruchsteine der Mauern der Rhätischen Bahn. Die vom Heimatschutz beeinflussten Mauern der dreissiger Jahre sind Teil der künstlich geschaffenen Landschaftsbilder, die damals Architekten wie Strassenbauer gleichermassen beschäftigten.

Bei Malabarba an der Südrampe der San Bernardino-Strasse stehen Stützmauern, die mit ihren kräftigen Rippen und den dahintergesetzten überhängenden Platten auf den konstruktiven Expressionismus der sechziger Jahre verweisen.

Und heute sieht sich der Strassenbauer mit denselben Problemen konfrontiert wie der Architekt: eine Vielfalt konstruktiver Möglichkeiten steht zur Verfügung, losgelöst von einer verbindlichen Formensprache. Ein zunehmend kritisches Publikum schwankt zwischen nostalgischer Sehnsucht nach Naturnähe und höchsten technischen Ansprüchen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt Graubünden hat unser Büro an der «Wegleitung zur Gestaltung von Stützmauern», erhältlich beim Tiefbauamt Graubünden, Grabenstrasse 30, 7000 Chur, mitgewirkt. Weiter wurden von uns für das bündnerische Strassennetz umfangreiche Bestandesaufnahmen und Mauerkonzepte erstellt.

Kreative Zusammenarbeit – die bewegt!